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| Andreas Willert ist Gründer und Geschäftsführer der Willert Software Tools GmbH |
Laut einer Studie von Philips Semiconductor steigt die Effizienz (hervorgerufen durch die Weiterentwicklung der Methoden und Tools) in der Hardwareentwicklung seit Jahren schneller als in der Softwareentwicklung. Mit den Ursachen dieser Entwicklung müssen sich Ingenieure nicht erst seit einigen Jahren auseinandersetzen. Schon vor 10 Jahren war es kein Problem bis zu 100.000 Mark für ein Analyse-Tool für die Hardwareentwicklung genehmigt zu bekommen, aber ein Budget über 40.000 Mark für die Anschaffung eines Emulators zur Softwareentwicklung durchzusetzen, verlangte ausgeprägtes Argumentationsgeschick. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Immer noch ist es schwieriger, 10.000 Euro für ein CASE-Tool genehmigt zu bekommen als 20.000 Euro für ein neues EDA-Tool. Diese Situation spiegelt die Wertschätzung der beiden Bereiche Software- und Hardwareentwicklung in vielen Unternehmen sehr gut wieder.
Aber entspricht der ‚Wert‘, den Unternehmen der Softwareentwicklung beimessen, dem Wertanteil im Produkt? Wenn dies in Ihrem Unternehmen nicht der Fall ist, dann befindet es sich in ‚guter Gesellschaft‘. Wie die Erfahrung zeigt, wird der Software nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die sie verdient. Eine vom Ministerium für Ausbildung und Forschung in Auftrag gegebene Studie bestätigt aber unter anderem die hohe Bedeutung der Software: Bei über 50 % aller in Deutschland entwickelten Produkte ist die Software überwiegend für die Wertschöpfung verantwortlich.
Warum haben Sie als Softwareentwickler dann nicht den gleichen Stellenwert in einem Unternehmen wie die Kollegen von der Hardwaregruppe? Warum bekommen die Kollegen von der Hardware für ihre CAD-Systeme Rechner zur Verfügung gestellt, von denen der Softwareentwickler nur träumen kann?
Wir müssen uns über diese Situation nicht wundern. Seit Jahren weisen sicherlich auch Sie das Management darauf hin, das Software leicht zu ändern sei. Dieses Merkmal war ja dann auch in den letzten Jahren dafür verantwortlich, dass immer mehr Hardware durch Software ersetzt wurde. Inzwischen hat das Management diese Erkenntnis verinnerlicht und trifft Entscheidungen dementsprechend: Kommt ein Kunde mit einer neuen Anforderung, die in die Applikation einfließen soll, analysieren die Kollegen von der Hardware die Anfrage und kommen zum Ergebnis, dass die Umsetzung 14 Wochen dauert. Die Geschäftsleitung entscheidet daraufhin, dass dies zu spät ist - und die Software das Problem lösen muss. Das Dilemma ist aber, Softwareentwickler können häufig nicht genau abschätzen, welcher Zeitaufwand für die Umsetzung erforderlich ist. Oft wird daher vom Management einfach ein idealer Wunschtermin bestimmt. Und jetzt geschieht das Unfassbare: In dieser Situation stürzen sich die Softwareentwickler freudig auf das Problem und schaffen es, die Änderung mit viel Kreativität und auch unkonventionellen Methoden quick&dirty zu implementieren und sorgen so für das Einhalten bzw. vertretbares Überschreiten des Abgabetermin. Auch wenn hier die Softwareentwickler zu recht auf das Geleistete stolz sein dürfen und z.B. die Anschaffung eines UML-Tools fordern, um ähnliche Situationen zukünftig vermeiden zu können, stehen sie mit diesem Wunsch nicht selten auf verlorenem Posten: Warum sollten diese Investition genehmigt werden? Schließlich ging es ja im gerade abgeschlossenen Projekt auch ‚ohne‘! Ihnen als Softwareentwickler wird hier das eigene Argument, dass Software leicht zu modifizieren sei, entgegengehalten.
Der Appell an alle Softwareentwickler muss daher lauten, dieses Problem offen anzusprechen und selbstbewusst aufzutreten, damit der Softwareentwicklung in einigen Jahren auch der Wert beigemessen wird, der dem realen Anteil der Software an den Produkten und damit dem Beitrag zum Erfolg eines Unternehmens entspricht!
Unter diesem Motto wünsch ich Ihnen einen guten Überblick über die große Auswahl an Tools und Methoden zur Software- und Hardware-Entwicklung, viel Vorfreude über die zukünftig dafür genehmigten Budgets und viel Selbstbewusstsein, dies alles durchzusetzen. Was Handwerker bereits vor Jahrhunderten wussten gilt nämlich immer noch: ‚Gutes Werkzeug ist die halbe Arbeit‘. |
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