Erschienen im DESIGN & VERIFICATION NR.6 2001 S. 52-53
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Matthew Harris ist COO von Lineo.
Mit speziell auf den Embedded-Markt ausgerichteten Produkten will der amerikanische Softwareanbieter Lineo seine Position weiter ausbauen. Zentrale Elemente der Strategie des Unternehmens sind ein Linux-Echtzeitbetriebssystem, Stacks und Dual-Kernel-Umgebungen, die dem Anwender nicht nur die Vorteile der Linux-Welt bieten.
Wie positionieren Sie sich am Markt?
Harris: Wir decken mit unseren Produkten den gesamten Bereich der Embedded-Software ab und differenzieren uns dort ganz klar von unseren Mitbewerbern. Wir setzen dabei nicht auf reine Linux-Lösungen, sondern bieten unseren Kunden das Beste aus zwei Welten: Ein Schwerpunkt liegt im Bereich der harten Echtzeit und ein weiterer auf Stacks, die unterschiedliche vertikale Märkte adressieren. Unsere direkten Mitbewerber sind Montavista und Windriver. Windriver setzt im Gegensatz zu uns immer noch auf proprietäre und geschlossene Lösungen. Montavista ist andererseits ein Linux-Purist, während wir uns in erster Linie als Embedded Company verstehen. Wir wollen der Windriver der offenen Standards werden. Durch die Kombination von Linux mit entsprechenden Erweiterungen bieten unsere Produkte dem Kunden mehr Möglichkeiten – allerdings nicht mehr in einer reinen Linux-Umgebung.
Geben Sie Beispiele für diese Möglichkeiten.
Harris: Wir können unser Echtzeitbetriebssystem RTXC zusammen mit Embedded Linux in einer Umgebung laufen lassen, wobei die beiden Elemente kommunizieren können: Harte Echtzeit-Calls können direkt in RTXC gemacht werden und gleichzeitig stehen dem Anwendungsentwickler die Vorteile eines Linux-API zur Verfügung. Der Dual-Kernel-Ansatz bietet unseren Kunden einige Dinge, die Konkurrenzprodukte nicht offerieren können: Einerseits bieten wir harte Echtzeit, andererseits unterstützen wir DSPs. Gerade diese Unterstützung ist für den Embedded-Markt ein entscheidendes Kriterium, ebenso wie die Tatsache, dass wir dort zum Einsatz kommende Multi-DSP- und Multi-Prozessor- Architekturen bzw. Kombinationen daraus unterstützen – unter Beibehaltung der Echtzeitunterstützung und der Vorteile von Embedded Linux. Diese Architektur erlaubt zudem, dass ein VxWorks- oder pSOS-Scheduler durch APIs ersetzt wird, so dass nach einem Re-Compile der VxWorks- oder pSOS-Applikation in dieser Umgebung ausgeführt werden können, ohne dass das Programm geändert werden muss. Da die Dual-OSTechnik mit einem US-Patent geschützt ist, haben wir die Technik lizenziert, damit der Kunde klare Verhältnisse vorfindet.
Welche vertikalen Märkte wollen Sie angehen?
Harris: Neben der angesprochenen Echtzeitfähigkeit adressieren wir gegenwärtig zwei vertikale Märkte mit der Entwicklung von entsprechenden Stacks. Einerseits Netzwerkkommunikation bzw. Residential Gateways, für die wir in Asien und Europa großes Interesse sehen, und andererseits digitales Fernsehen. Wir haben z.B. Motorolas VCS Group, die einen Marktanteil von 65 % des US-amerikanischen digitalen Set-Top-Box-Marktes auf sich vereinigt hat, als Kunden gewinnen können. Wir stellen die Teile des Stacks bereit, die mit Linux zusammenarbeiten. Außerdem gestalten wir die technologische Weiterentwicklung aktiv mit und haben zusammen mit Sun, Motorola und Liberate Technology die TV-Linux-Alliance (TVLA) gegründet, die Linux als Basis für digitale Set-Top-Boxen vorantreiben soll. Ein weiterer Bereich, auf den wir uns fokussieren, sind tragbare Smart Devices.
Ist der Residential- Gateway-Markt schon mehr als ein schöner Traum?
Harris: Es gibt viele Halbleiterhersteller, die auf einen boomenden Residential-Gateway- Markt setzen. Wenn diese allerdings Auskunft geben sollen, wann dieser Markt kommen DESIGN & VERIFICATION 6/2001 wird, werden gerne Studien zitiert, die allerdings alle verschiedene Zeitpunkte nennen – kurz gesagt, niemand weiß es. Es besteht aber kein Zweifel, dass jetzt die vorbereitenden Arbeiten beginnen müssen. Es ist sicherlich so, dass viel Geld auf diese Karte gesetzt wird. Daher helfen wir heute Herstellern wie Samsung, diese Geräte schon heute entwickeln zu können.
Es rangeln sich allerdings unterschiedliche Plattformen um diesen Markt. Wen sehen Sie im Moment im Rennen?
Harris:Hier sind natürlich zuerst einmal die Hersteller digitaler Set-Top-Boxen, die sich in der Mitte dieses Markts positioniert sehen und die die Set-Top-Box als das Gateway für den Privathaushalt etablieren wollen. Auch die Telefonhersteller möchten ein Stück dieses Kuchens. Wir bieten selbst auch ein einfaches Daten- Gateway der ersten Generation an: ‚SecureEdge’ basiert auf unserem Embedded Linux und darauf aufbauend verfügt das Gerät über eine integrierte Firewall und Virtual-Privat-Network-Funktionalitäten.
Wie beurteilen Sie die Aktivitäten von Microsoft in diesem Feld und im Embedded-Markt?
Harris: Die Aktivitäten von Microsoft beschäftigen uns natürlich sehr – alleine schon deshalb, weil unser Firmensitz in Seattle ist. Nur ihre Embedded-Software-Gruppe ist größer als unser gesamtes Unternehmen. Microsoft fängt an, sein Engagement zu verstärken – aber vielleicht kommen sie ins Stolpern, wie dies schon einige Male passiert ist. Wir sehen darüber hinaus bisher keine Hinweise darauf, dass sie auch in den Headless-Markt und damit in den Gateway-Markt wollen, auch wenn ihre neuen Produkte den Headless-Betrieb prinzipiell zulassen. Microsoft ist unserem Verständnis nach mehr an tragbaren Geräten wie Mobilfunktelefonen interessiert, wo sie ihre GUI-Stärken ausspielen können. Die Bereiche, in denen wir uns bewegen, stehen dagegen nicht im Zentrum von Microsofts Interesse. Trotzdem betrachten die Set-Top-Box-Hersteller die X-Box von Microsoft mit Skepsis, weil befürchtet wird, dass sich die Box zum Gateway der Privathaushalte entwickeln könnte. Allen gemeinsam ist der Wunsch, sich nicht auf eine geschlossene Technologie festzulegen. Ich denke, deswegen hat die TV-Unix-Allianz in kurzer Zeit ein so großes Momentum gewonnen. Wir haben daher mit unserer Software-Produkten in diesen zwei Märkten gute Karten.
Microsoft führt als Argument gegen Linux das Problem der General Public License auf. Zu Recht?
Harris: Natürlich müssen sich unsere Kunden mit dem Thema GPL auseinander setzen und für ihr Produkt Lizenzgebühren abführen, wenn sie ein Derivat verwenden wollen. Wir können unseren Kunden aber dabei helfen, ihre Software proprietär zu halten, um diese Zahlungen zu vermeiden. Wir haben unser Toolset um ein Tool erweitert, das GPL-Analysen durchführt, um sicherzustellen, dass der Anwender die GPL-Lizenz nicht verletzt. Dazu analysiert das Werkzeug das Target- Image und die Anwendung und meldet GPL-Verstöße. Da es eindeutige GPL-Regeln gibt, stellt dies prinzipiell kein Problem dar.
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