Erschienen in DESIGN & VERIFICATION 04/2001, S. 70-71 (layoutete pdf-Version mit dem "details" Button in der toolbox unter dieser Meldung download-bar.)
Dipl.-Ing.(FH) Bernd Menzel ist bei der Hoschar AG als Vertriebsingenieur unter anderem für die technische Kundenbetreuung verantwortlich.
Product Data Management unterstützt Entwicklungsleiter bei der kompletten Kontrolle über Entwicklungszyklen und Produktionsabläufe. Aufgrund des hohen Potenzials der gewählten Lösung rechnet man von Seiten der Anwender mit einem Amortisationszeitraum von nur 18 Monaten. von Bernd Menzel
Einfügung in bestehende EDA- und ERP-Systeme
Product Data Management ist eine relativ junge Technologie zur Entwicklungs-/Konstruktions-Verwaltung. 1998 erkannten einige ‚alte Hasen‘ aus der EDA-Industrie die Notwendigkeit, EDA-, CAD- und ERP-Informationen zu koordinieren und die Chance, sie in einem ‚Product Data Management System‘ zu integrieren: Sie gründeten Pragmax mit seinem Hauptsitz in Bristol, England. Das erste Pragmax-PDM-System wurde bereits 1998 bei dem Telekommunikations-Unternehmen Flexion Systems installiert. Weitere Installationen in den unterschiedlichsten Elektronik-Unternehmen folgten. Das PDM-System basiert auf bewährter SQL-Datenbank-Architektur von Microsoft und stellt ein firmenweites Portal zu den im Unternehmen verstreuten Entwicklungs-Informationen dar. Funktionen wie das Herausfinden geeigneter Teile oder ein Teile-Verwendungsnachweis bei Änderungen werden von wochenlanger Arbeit auf einen Mausklick reduziert. Dadurch, dass sich Pragmax auf den ungehinderten Informations-Zugang (einschließlich der im Web reichlich verfügbaren Informationen) konzentriert, und dies unabhängig von Format oder Anwendung, stellt Pragmax-PDM einen freien Fluss technischer Informationen sicher – quasi vom Schreibtisch des Entwicklers bis zum Auslieferungslager. Die Einsatzgebiete sind vielfältig, im Folgenden wird der Einsatz bei Motion Media näher beleuchtet. Motion Media entwickelt innovative, kostengünstige und leicht zu bedienende Produkte mit hervorragender Videoqualität für Videokonferenzen, Überwachung und medizinische Ferndiagnose. Diese werden unter dem eigenen Firmennamen oder als OEM/VAR-Produkte vertrieben. Nach der Entwicklung des videophone mm225 wurde Motion Media in das Entwicklungs-Konsortium des neuen Bildtelefons des Orange-Konzerns eingeladen. Motion Media verfügt über ein dicht gedrängtes Entwicklungsprogramm, welches von jetzt Pragmax Product Data Management unterstützt wird.
Die Ausgangslage beim Anwender
Seit der Gründung 1993 hat Motion Media in das Management von Bauteil- und Montageinformationen viel Zeit investiert, um einen Grundstein für reibungslose Designarbeitsabläufe zu schaffen. Jetzt entschied das Unternehmen, auch weil die gesamte Fertigung zwischenzeitlich an Dienstleister übertragen wurde, die Dateneingabe noch schneller, einfacher, flexibler und präziser zu gestalten. Motion Media definierte zunächst einen Anforderungskatalog für eine PDM-Eigenentwicklung, der alle Arten der technischen Dokumentation beinhaltete, von der einfachsten Freigabe bis hin zum kompletten System. Das Ziel: Alle Informationen und Dokumente sollen sofort und sicher für Entwicklungs-, Produktions und Qualitätssicherungs-Abteilungen abrufbar sein. Außerdem müssen auch Auftrags-Fertigungen mit einbezogen sein. Bei der Suche nach diese Anforderungen erfüllenden Produkten stieß man auf Pragmax Product Data Management, da es alle wesentlichen Anforderungen erfüllte und zudem in die Entwicklungsumgebung von Motion Media passte. Die Qualität der an die Vertrags-Hersteller übermittelten Informationen muss hundertprozentig sicher sein. Dabei wurde herausgefunden, dass Mitarbeiter viel mehr Zeit als erwartet mit der Suche nach Bauelementen, der Abwicklung von Freigaben und mit dem Änderungswesen verbringen. Durch Verbesserung der internen Kommunikation werden diese Aufgaben effizienter erledigt. Nur so können die Kundenanforderungen reaktionsschneller erfüllt werden. Dazu dient Product Data Management. Bei den derzeitigen Wettbewerbsbedingungen ist diese Geschwindigkeit absolut nötig – und von Seiten der Anwender wird mit einer Amortisationszeit von nur 18 Monaten gerechnet. Dabei werden Entwicklung und Fertigung durch die notwendigen Umstellungen nicht unterbrochen oder die normalen Abläufe gestört, sondern, wie hier im Fall Motion Media – und dafür wurde es gezielt konzipiert: Pragmax fügt sich gut in bestehende Firmen-Umgebungen ein.
Implementierung
Im ersten Schritt arbeiteten Systemersteller und Anwender zusammen, um die Rahmenbedingungen festzustellen. In einem Workshop werden die internen Arbeitsabläufe, das Datenmodell und der Bedarf an Schnittstellen zu CAD- und EDA-Werkzeugen ermittelt. Das darauf basierend erstellte System wird individuell auf den Anwender abgestimmt implementiert. Bei Motion Media wurden vor der Einführung von Pragmax-PDM alleine vier Mannmonate pro Jahr aufgewendet, die Dokumentionen auf dem Laufenden zu halten.
Reichweite
Der Einsatz der Pragmax Suite überspannt die traditionellen internen Abteilungsgrenzen in elektronischen Firmen. Motion Media erwartet sowohl eine Steigerung der Entwicklungsproduktivität als auch der Firmenprofitabilität – Pragmax wurde firmenweit eingeführt mit der Möglichkeit, weitere Lizenzen bei Zulieferern zu installieren, um so die Vorteile des Systems auch über die Schnittstellen nach außen hinaus zu nutzen.
Management von Varianten
Für Motion Media, wie auch für viele andere Anwender, spielt die Variantenverwaltung eine große Rolle. Alle Produkte des Unternehmens müssen in einer Vielzahl von Märkten den nationalen und internationalen Standards und Zulassungen genügen. Durch Variantenvielfalt kommt es leicht zu Verwechslungen, Fehlern und auch zu Redundanzen. Dafür bietet einerseits die aufwandsarme Verwaltung von Bauteilen und -gruppen, und andererseits das Pragmax-Änderungs-Modul eine leicht bedienbare aber wirkungsvolle Umgebung, um verschiedene Varianten zu kreieren und zu managen. Die Fähigkeit des Pragmax-PDM-Systems, Informationen in jedem Format abzulegen – als angehängte Dateien, als Weblinks und so weiter – ist darüberhinaus für die Nachvollziehbarkeit von Entwicklung, Änderungen und Varianten sowie für Zulassungen von besonderer Bedeutung.
Fazit
Durch Product Data Management wird die Kontrolle über Entwicklungs-, Konstruktions- und Produktionsabläufe über Abteilungen hinweg erleichtert, vereinfacht und verstärkt. Durch die Dokumentations- und Kommunikationsfunktionen werden Informationen transparenter und verfügbarer, wertvolle Zeit bei Entwicklung, Konstruktion und Produktion wird gespart, Erfüllen spezieller Kundenwünsche wird erheblich beschleunigt, oft sogar erst ermöglicht. Das Product Data Management von Pragmax wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Hoschar AG vertrieben und speziell mit dem Kunden an die individuellen Gegebenheiten angepasst implementiert.
Abb. 1: Visualisierung des Prinzips von Product Data Management
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