Erschienen in DESIGN & VERIFICATION 01+02/2001, S.44-47
Vorwort
Der Umfang Gerätepark von Herstellern und Prüflaboren nimmt ständig zu. Mit jeder neuen Norm, muss das geeignete Prüfmittel in der Regel neu beschafft werden. Dabei entstehen nicht nur Kosten, sondern zusätzlicher Aufwand durch die Einarbeitungsphase. Diese Schwierigkeiten führt häufig zu dem Wunsch, den ganzen Park zu automatisieren und ein kundenfreundliches Testprotokoll der Prüfungen erstellen zu können.
Einleitung
Der Aufbau eines Prüfsystems für Impulsmessungen ist ein echtes Unterfangen, wenn die Prüfmittel von verschiedenen Hersteller stammen. Dazu kommt noch, dass die Telekom-Normen weltweit nicht den gleichen Geltungsbereich haben und teilweise länderspezifische Prüfungen vorschreiben. Beispielsweise gelten in Europa die CENELEC-, ETSI- und ITU-Normen. In den USA werden nur FCC- und Bellcore-Prüfungen für Produkte anerkannt, die an öffentliche Telekom-Leitungen angeschlossen werden sollen. Das Ziel der Prüfung ist ein vollumfängliches Protokoll mit Testvorgang und Testresultaten, das als Dokument dem Kunden zur Verfügung gestellt werden kann.
Hauptteil
Internationale Telekom-Normen im Vergleich
ETSI Die ETSI-Normen (European Telecommunications Standard Institute) wurden ausschließlich für den Europäisches Markt erstellt. Diese wurden zu einem späteren Zeitpunkt als Europäisches Normen (EN) übernommen. Die Norm ETSI (EN) 300-386-2 bezieht sich auf Prüfungen von Telekomvermittlungsgeräten oder -modulen (Infrastruktur), die in einer Telekomvermittlungszentrale oder auch außerhalb eingebaut oder angeschlossen werden. Die Prüfmethoden der ETSI-Normen beziehen sich wiederum auf die ITU und IEC Normen. Tabelle 1 listet die von der produktspezifischen Norm ETSI (EN) 300-386-2 definierte Impulsprüfungen.
ITU Die ‚International Telecommunications Union‘ (ITU), ehemals CCITT, setzt sich aus Teilnehmer verschiedenster Nationalitäten zusammen, und genießt daher einen weltweiten anerkannten Status. Sie erlässt Empfehlungen, wie Telecom-Produkte getestet werden sollten. Dabei arbeitet die ITU eng mit dem IEC zusammen, mit dem Ziel, die Prüfnormen weltweit soweit wie möglich zu standardisieren. Der Unterschied zwischen ITU und IEC ist, das die ITU Empfehlungen erlässt während die IEC Normen erstellt. Im August 2000, wurden die K44 und K45 Empfehlungen der ITU erlassen.
FCC part 68 Jeder Herstellen von Telecomgeräten, der seine Produkte, die für den Anschluss an eine Telefonleitung vorgesehen sind, in den USA verkaufen will, muss die Geräte nach der Norm FCC part 68 prüfen lassen. Bei der FCC part 68 handelt sich ebenfalls um Impulsprüfungen auf Netz- und Telefonleitungen. Betroffen von dieser Norm sind nicht nur Telefone, Fax-Geräte, und Modems, sondern auch ‚PABX‘-Hauszentrale, Voice-mail-Systeme, usw. Tabelle 3 zeigt die in der Norm definierten Impulsprüfungen.
Bellcore GR 1089 Kapital 4 Im amerikanischen Markt sind für die ‚Network Equipment Building Safety‘-Prüfungen (NEBS) die Bellcore-Normen zwingend vorgeschrieben. Bellcore-Prüfungen nach GR 1089 Section 4 sind sehr umfangreich und zeitaufwendig. Bei diesen Prüfungen handelt es sich ebenfalls um Impulspüfungen in Telefonzentralen, wie sie auch in der ETSI 300-386-2 definiert sind. Dabei sind Prüfungen zwischen den Racks der Vermittlungszentralen und den örtlich unterschiedlichen Standorten der Zentralen zu unterscheiden. Ein geeignetes modulares Impulsprüfsystem ist bei diesen Prüfungen sehr hilfreich, weil es eine enorme Zeitersparnisse erreichen und gleichzeitig Fehler im Prüfaufbau vermeiden helfen kann. Tabelle 4 zeigt die Impulsformen der Bellcore GR 1089-Prüfungen.
Zusammenfassung
Die vier beschriebenen Normen wie ETSI, ITU, FCC part 68 und Bellcore beinhalten alleine schon eine Vielfalt von Impulsformen. Zu beachten ist, dass zur Erzeugung dieser Vielfalt mehrere Impulsgeneratoren mit unterschiedlichsten Energiegehalten benötigt werden. Für diese Aufgaben eignet sich ein modulares, effizientes und zuverlässiges Impulsprüfsystem mit einem hohen Automatisierungsgrad, das zudem einfach in der Handhabung sein muss.
Erforderliche Hardware und Kundennutzen Die Erfüllung nur eines Teils der Prüfnormen kann für den Hersteller eines zu prüfenden Geräts schnell teuer und kompliziert. Der Aufbau eines Prüfsystems aus verschiedenen Geräten kann zu einem hohen Aufwand bei der Systemintegration führen. Ein modulares System hingegen, bei dem die erforderlichen Impulsmodule mit einer Zentraleinheit konfiguriert werden, vereinfacht eine Systemintegration erheblich und bietet in der Regel eine höhere Zuverlässigkeit. Ebenso wichtig ist ein einfacher und automatisierter Betrieb des Systems für den Fall, dass viele Impulsformen erzeugt werden müssen und damit mehrere Impulsgeneratoren eingesetzt werde müssen. Die Systemintegration gestaltet sich besonders einfach, wenn sich das modulare Systems nach dem Plug&Play-Prinzip konfigurieren lässt. Ein integriertes System, das diese Anforderungen erfüllen kann, muss folgende Merkmale bieten:
·Flexibilität, eine Erweiterung des Systems muss jederzeit möglich sein ·Einfache Konfiguration und Bedienung ·Kurze Prüfzeiten und hoher Automatisierungsgrad ·Konsequente Einhaltung der in den Normen spezifizierten Parameter und Eigenschaften ·Maximale Sicherheit für den Benutzer
Automatisierung und Dokumentation Software bildet ein zentrales Element von ‚Multi‘-Impulsprüfsystemen. Sie muss nicht nur die geforderten Messungen ermöglichen, sie muss auch einfach bedienbar also selbsterklärend sein, da nicht immer ein Experte für die Definition und Programmierung eines Testablaufs zur Verfügung steht. Prüfungen von Telekomgeräten sind zudem in der Regel sehr zeitaufwendig. Hersteller können es sich aber kaum leisten, ihre Ingenieur tagelang für die Überwachung eines Testsystem abzustellen. Die Software muss daher die Prüfung automatisieren und gleichzeitig die Aufgabe der Überwachung übernehmen. Zusätzlich muss die Software die Steuerung des Systems durchführen. Nicht zuletzt muss der Prüfer eine vollständige Dokumentation erstellen und auf Standardsoftware (z.B. Word) ausgeben können. Viele Prüfer verwenden Protokollvorlagen. Dies bedeutet, dass sich die Prüfdaten auf einfache Weise in eine bestehende Vorlage importieren und einbinden lassen müssen.
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