Erschienen in TEST KOMPENDIUM 2001, S.49-50 (pdf-Version in toolbox unter "details")
Vorwort
In diesem Artikel wird dargestellt, welchen Weg ein Hersteller von Mobilfunkgeräten beschreiten muß, um sein Endgerät nach dem GSM-Certification-Forum GCF zertifizieren zu lassen. Durch diese Prozedur wird sichergestellt, dass ein Mobilfunkgerät im entsprechenden GSM-Netz ohne Probleme betrieben werden kann.
Einleitung Seit dem 8. April 2000 hat sich auch für die Hersteller von GSM-Mobilfunkgeräten einiges verändert. Vor diesem Datum mussten nach dem alten Zulassungsregime alle Mobilfunkgeräte einem ‚Full Type Approval‘ unterzogen werden. Seit Inkrafttreten der R&TTE Richtlinie am 8. April 2000 haben sich die Hersteller von GSM-Mobilfunkgeräten und die Netzbetreiber auf eine freiwillige Zertifizierung verständigt. Das GSM-Certification-Forum GCF hat weltweite Gültigkeit und ist nicht auf Europa beschränkt. Die Mitgliedschaft in diesem Forum ist freiwillig und möglich für alle Netzbetreiber, die Mitglied der GSM-Association sind sowie für alle Hersteller von GSM Endgeräten. Das Zertifizierungsprogramm soll wie die GSM-Technologie selbst weiterentwickelt und modifiziert werden, um auch auf zukünftige Technologien der dritten Mobilfunkgeneration anwendbar zu sein. Die Mitgliedschaft unterscheidet zwei Kategorien, zum einen die Mitglieder und zum anderen die Beobachter. Netzbetreiber und Hersteller erhalten den Status Mitglied. Testhäuser und Testsystem Hersteller erhalten den Status Beobachter mit den Einschränkungen, dass sie bei Abstimmungen kein Stimmrecht besitzen und auch nicht den Vorsitz des Forums übernehmen dürfen.
Hauptteil
Drei Gruppen Das GSM-Certification-Forum setzt sich aus drei Gruppen zusammen. Die Steering-Group ist für administrative Angelegenheiten verantwortlich. Zu den Aufgaben dieser Gruppe gehören zum Beispiel die Budgetplanung, die Betreuung der Mitglieder sowie das Einsetzen von Arbeitsgruppen. Das Sekretariat hat die Aufgaben, die Arbeitspakete an die Arbeitsgruppen weiterzuleiten, die Pflege der Internet-Seiten sowie die Unterstützung der Steering-Group in ihrer täglichen Arbeit. Bisher wurden zwei Arbeitsgruppen gebildet. Die Agreement-Group beschäftigt sich mit der Entwicklung der Testkriterien für existierende und zukünftige Netzdienste. Von ihr kommt auch die Zustimmung zu der technischen Dokumentation und den Prozeduren des GCF. Diese Gruppe ist auch für die Verwaltung der GCF-Dokumentation verantwortlich und steht in engem Kontakt mit ETSI SMG, ECTEL TMS und der GSM-Terminal-Working-Group. Die Validation-Group beschäftigt sich mit der Validierung der Testcases und der Testsysteme. Möchte ein Hersteller ein neues Endgerät nach GCF zertifizieren, so muß er im ersten Schritt nachweisen, dass er ein Qualitätssicherungssystem nach ISO9000 oder Vergleichbares für das Design, die Entwicklung und den Bau von GSM-Endgeräten implementiert hat. Zusätzlich muß der Hersteller einen Certification-Officer so wie einen Vertreter benennen. Hat er diese Bedingungen erfüllt erlangt er den Status ‚Quality Qualified‘. Der Certification-Officer ist verantwortlich für alle Fragen des ‚Self Assessment‘ sowie für die Übereinstimmung der produzierten Endgeräte mit den Anforderungen nach GCF. Diese Übereinstimmung muß von dem Certification-Officer für die komplette Produktion eines Endgerätetyps garantiert und überwacht werden. Um ein ‚Self Assessment‘ durchführen zu können, muss der Hersteller ebenfalls den Assessment-Compliant-Status erhalten. Dieser Status kann zum einen basieren auf den eigenen Testmöglichkeiten des Herstellers oder auf einem oder mehreren externen Testhäusern, welche nach EN 45001 oder vergleichbarem akkreditiert sind. Die Testmöglichkeiten des Herstellers sollten den Anforderungen nach Annex V der R&TTE Richtlinie genügen. Hat der Hersteller sowohl den Status ‚Quality Qualified‘ als auch den Status ‚Assessment Compliant‘ erhalten, so ist damit auch der Status ‚Terminal Certified‘ verbunden. Erst mit diesem Status ist es dem Hersteller möglich, sein Endgerät bezüglich den Anforderungen des GCF zu beurteilen. Alle einen Zertifizierungsprozess betreffenden Dokumente werden vom Hersteller in einem Konformitätsordner (Compliance Folder) archiviert. In dem Compliance-Folder-befinden sich die Ergebnisse aller auf das Endgerät anwendbaren Tests, Beschreibungen von Hard- und Softwareänderungen sowie ein detaillierter Nachweis der Feldtests.
Integraler Bestandteil Feldtests Feldtests sind ein integraler Bestandteil des GCF-Certification-Forum. Mit ihnen soll sichergestellt werden, dass die Geräte auch unter realen Netzwerkbedingungen funktionsfähig sind. Der Test in mindestens fünf verschiedenen Netzumgebungen soll ein sicheres Interworking mit allen Netzen garantieren. Die Netze, die für Feldtests genutzt werden, sollen möglichst unterschiedliche Hard- und Softwarestände in den Vermittlungsstellen repräsentieren. Da es keine definierten Kriterien für die Durchführung der Feldtest gibt, werden die folgenden Parameter wie Call Auf-und Abbau, supplementary services, short mesage service, Interworking mit der SIM-Karte sowie aller zusätzlichen Dienste, die vom Mobile unterstützt werden, auch überprüft. Die Feldtests können auch von einem unabhängigen Dienstleister durchgeführt werden, wobei der Hersteller aber die Verantwortung für die korrekte Durchführung der Feldtests trägt. Mit wachsender Erfahrung der Netzbetreiber während der Feldtests ist es möglich, diese Erfahrungen in zukünftige Feldtests mit einzubeziehen. Für die Durchführung der Feldtest sind die Hersteller der Endgeräte auf die Unterstützung der Netzbetreiber angewiesen. So sollte der Netzbetreiber einen Field-Trail-Officer bestimmen, der als Ansprechpartner für alle Fragen bezüglich der Feldtests zur Verfügung steht. Mit der Anerkennung des Netzbetreibers durch das GSM-Certification-Forum erhält er den Status ‚Field Trail Qualified‘. Der Field-Trail-Officer und sein Vertreter bilden die zentrale Schnittstelle zwischen Hersteller und Netzbetreiber und stellen sicher, dass der Hersteller alle nötigen Informationen zur Durchführung der Feldtests erhält. So sollen dem Hersteller SIM-Karten zur Verfügung stehen, mit denen er alle derzeit im Netz implementierten Eigenschaften nutzen kann. Im Compliance-Folder findet man die Informationen, in welchem Netz die Feldtests durchgeführt wurden und welches nicht konforme Verhalten im Netzwerk beobachtet wurde. Nach größeren Modifikationen im Endgerät sollten alle oder zumindest Teile der Feldtests wiederholt werden. Probleme, die während der Feldtests auftreten, werden zwischen dem jeweiligen Hersteller und dem Netzbetreiber gelöst. Kommt es zu keiner Lösung, so kann entweder der Hersteller oder der Netzbetreiber ein Nachtesten in einem nach EN 45001 akkreditierten Testhaus fordern. Die Kosten der Nachtests übernimmt die Partei, die zu Unrecht die Tests eingefordert hat. Ein negatives Testergebnis wird von dem GCF-Sekretariat auf der Certification-Web Seite veröffentlicht. Erhält das Sekretariat eine Erklärung, dass die Probleme gelöst sind, so ist der Hinweis auf der Internetseite innerhalb von fünf Tagen zu entfernen. Bleibt das Problem innerhalb von neunzig Tagen ungelöst, so wird die Zertifizierung des Endgerätes zurückgezogen.
Technische Anforderungen Die technischen Anforderungen, die für ein bestimmtes Mobilfunkgerät anwendbar sind, ergeben sich direkt aus der Herstellererklärung über die unterstützten Funktionen (Features). Das Prinzip ist, dass der Hersteller entscheidet, welche optionalen Features er deklariert und implementiert. Ist eine Funktion im Gerät implementiert, so soll diese auch den technischen Anforderungen entsprechen. Die Zertifizierungskriterien sind aufgeteilt in regulatorische Tests nach R&TTE (GCF-CCR) und freiwillige Tests (GCF-CCV), die aber alle zur Zertifizierung nachgewiesen werden müssen. Die Tabelle aller Optionen repräsentiert die implementierten Features eines Mobilfunkgerätes. Aus der Tabelle der Anforderungen ergibt sich aufgrund der Optionstabelle eine Liste von Anforderungen, die zu erfüllen sind. Mit dieser Kenntnis und der Conformance-Assessement-Tabelle erhält man nun alle Testcases, die für ein bestimmtes Endgerät durchzuführen sind. Für alle Testcases besteht eine Kategorisierung ähnlich der Kategorisierung in dem GSMTAAB Dokument GT.01. Ein Notified Body ist in die GCF-Zertifizierung nicht involviert. Die Tests kann der Hersteller selbst durchführen oder aber ein Testhaus mit der Durchführung der Tests beauftragen. Der Hersteller selbst ist für die Zertifizierung und die Bereitstellung des Compliance-Folder verantwortlich.
Zusammenfassung Vergleicht man nun das frühere ‚Full Type Approval‘ mit der freiwilligen Zertifizierung nach GCF so ergeben sich folgende Unterschiede: · Die Zertifizierung unter GCF ist freiwillig und besitzt weltweite Gültigkeit. · In die Zertifizierung unter GCF ist kein Notified Body involviert. · Ein Produktüberwachungsvertrag ist nicht nötig. · Der Hersteller hat die Möglichkeit selbst die Tests durchzuführen oder ein Testhaus damit zu beauftragen. · Die Verantwortung für die Zertifizierung liegt in den Händen des Herstellers. · Es ist nicht ausreichend, nur die essenziellen Test nach GCV-CCR durchzuführen. · Der Hersteller ist dazu verpflichtet Feldtests durchzuführen. · Alle Dokumente werden in einem Compliance-Folder durch den Hersteller archiviert. Mit der Einführung dieses freiwilligen Zertifizierungs-Forum wird auch für die Zukunft sichergestellt dass GSM-Endgeräte einem hohen technischen Stand entsprechen und in allen GSM-Netzen ohne Probleme betrieben werden können.
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